Hätten Sie es gewusst? Mit der Anzahl an Fussballern in der Super League und Challenge League könnte der Kosovo fast ein komplettes Team stellen. BLICK fragte die beiden Nationalspieler Hekuran Kryeziu (FCZ) und Idriz Voca (Luzern) nach den Hintergründen.

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Hekuran Kryeziu ist einer von 22 kosovarischen Spielern in der Super und Challenge League.

23 Mann zählt ein Fussball-Kader. Rechnet man die beiden Profi-Ligen Super- und Challenge-League zusammen würden – neben der Schweiz – nur eine Nation ein komplettes Team auf den Rasen bringen: Frankreich mit 28 Spielern (16 SL, 12 CL). Und dann kommt bereits Kosovo mit 22 Spielern (8 SL, 14 CL). Auf Rang drei mit «nur» insgesamt 15 Akteuren folgt Brasilien.

Keine Frage: Der Kosovo ist eine Fussballnation. «Schon im früheren Jugoslawien war dieser Sport sehr populär», sagt FCL-Mittelfeldspieler Idriz Voca (22). «Und heute, bei den Nati-Spielen sind alle völlig euphorisch. Ich freue mich schon auf den März.» Der Kosovo kann sich dann über die Playoffs für die Fussball-EM 2020 qualifizieren.

«Eine gute Mischung»

Dass so viele Kosovaren in den höchsten Schweizer Ligen antreten, ist in der Geschichte des Balkan zu ergründen. FCZ-Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu (26): «In erster Linie weil viele, die damals wegen dem Krieg flüchteten, hier leben.» Seine Generation sei mit bescheidenen Mitteln aufgewachsen, «aber einen Ball konnte man sich leisten und mit vielen anderen teilen.»

Die neue Generation ist sehr talentiert, weiss Voca. «Das geht auf die Eltern und Grosseltern zurück. Der Stellenwert des Fussballs ist gross. Mein Vater erzählte oft, wie er aus seinem Dorf nach Pristina lief um Fussball-Spiele anzuschauen.

In der Schweiz kommt beides zusammen, analysiert Kryeziu: «Der Kosovo ist ein fussball-verrücktes Land und in der Schweiz gibt es eine der besten Ausbildungen in Europa – das Temperament vom Balkan und die Ausbildung hier passen sehr gut.»

Schweizer Mentalität im Kosovo

Im kosovarischen Fussball herrsche auch eine gewisse Schweizer Mentalität (und mit Bernard Challandes zudem ein Schweizer Trainer). «Die Schweiz ist ein Vorbildland», sagt Hekuran Kryeziu. Neben dem eigenen Team werde jeweils die Schweiz angefeuert.

Noch ist der Kosovo eine junge Fussball-Nation. Mit 19 Einsätzen hat Hekuran Kryeziu am siebtmeisten Einsätze für sein Land ausgetragen. Idriz Voca kommt auf 10 Spiele.

«Wir sind auf gutem Weg»

Bereits kann der Sprung an die EM-Endrunde gelingen. Idriz Voca: «Wir haben eine gute EM-Quali gespielt, nun treffen wir auswärts auf Nordmazedonien und bei einem Sieg auf Weissrussland oder Georgien. Unser Ziel ist klar: Wir wollen an die EM.» Gleichzeitig sei es für einen so jungen Staat schwierig, sich direkt über die Qualifikation zu qualifizieren. «Dafür reicht die Qualität noch fast nicht.» Aber über die Playoffs könnte es klappen. Auch Kryeziu spricht von Geduld, «aber wir sind auf sehr gutem Weg.»

Noch verfüge der Kovoso nicht über grosse Namen, aber inzwischen kommen laut Voca sehr talentierte, junge Spieler in die Nati, «wir sind sehr gespannt, was da noch kommt.» Und Hekuran Kryeziu beobachtet eine «riesige Euphorie in den letzten Jahren.» Am 26. März könnte diese mit einem Triumph im Playoff-Halbfinal noch einmal gesteigert werden.

Kosovaren in der Schweiz

Super League

  • Idriz Voca (FC Luzern)
  • Benjamin Kololli (FC Zürich)
  • Hekuran Kryeziu (FC Zürich)
  • Edon Zhegrova (FC Basel)
  • Mirlind Kryeziu (FC Zürich)
  • Arbenit Xhemajli (Neuchâtel Xamax)
  • Shkelqim Demhasaj (FC Luzern)
  • Cendrim Kameraj (FC Lugano)

Challenge League

  • Eris Abedini (FC Wil)
  • Gjelbrim Taipi (FC Schaffhausen)
  • Gezim Pepsi (FC Winterthur)
  • Uran Bislimi (FC Schaffhausen)
  • Mergim Brahimi (FC Wil)
  • Donat Rrudhani (FC Aarau)
  • Jetmir Krasniqi (FC Schaffhausen)
  • Imran Bunjaku (FC Schaffhausen)
  • Rrezart Hoxha (SC Kriens)
  • Kreshnik Hajrizi (FC Chiasso)
  • Leutrim Kryeziu (FC Chiasso)
  • Fuad Rahimi (FC Vaduz)
  • Valon Hamdiu (FC Winterthur)
  • Liridon Balaj (FC Aarau)
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